Studie zur Nemesis, London BM, 5218-114

Aus Dürer Tintenanalyse
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London BM Studie Nemesis SL 5218 114 beschn.jpg
Sujet: Studie zur Nemesis
Sammlung, Inv.Nr.: British Museum, London, 5218-114
Datierung (Forschungsstand): 1500-1502
Verso: x
Beischriften, Monogramm, Datierung: "AD"
Wasserzeichen: konnte nicht geprüft werden
Technik (Forschungsstand): braune Tinte
Bemerkungen: AK London 2002, 73: “Inscribed by a later hand with Dürer’s monogram”
Standardliteratur: Winkler 266; Strauss 1502/25; Rowlands/Bartrum 1993, Nr. 150


Inhaltsverzeichnis

Zur Zeichnung

Auf dieser Studie zum Kupferstich der sog. Nemesis (B. 77) sind an der Figur mehrfache Korrekturen vorgenommen worden, die Dürers intensive Auseinandersetzung mit Proportionen veranschaulichen. In der Forschung wird vertreten, dass das blind geritzte Liniennetz nahezu dem Vitruvschen Proportionsschema entspricht und Dürers Grundlage für die Zeichnung war. Gegenüber der Figur wirkt das Flügelpaar auf der linken Seite wie in einem Guss entstanden.

Kunsthistorische Fragen an Tinte und Wasserzeichen

  • Monogramm und Zeichnung in identischer Tinte ausgeführt?
  • Sind Flügel und Figur in identischer Tinte ausgeführt?
  • Sind innerhalb der Figur oder des Flügels verschiedene Tinten verwendet worden, die auf eine bestimmte Funktion innerhalb des Zeichenprozesses schließen lassen?
  • Wurde das Raster vor oder nach der Zeichnung in das Papier „gerissen“?


Fazit

Die Mikro-RFA Messungen haben in dieser Zeichnung sowohl Elemente von Eisengallustinten als auch von Rußtuschen ergeben. Der Überlagerung vieler Strichpartien wegen ist eine Trennung der beiden Medien nicht möglich.

Auf den IRR-Aufnahmen des British Museums bleibt die Zeichnung in sämtlichen Partien sichtbar, was zunächst für eine Anfertigung in Rußtusche spricht; die Messungen 2, 4, 5, 6, 8 und 9 bestätigen dies.

Die Messungen 1, 3, 12, 13 und 14 hingegen weisen zusätzlich auf Eisengallustinten hin und bestätigen die Einheitlichkeit einiger verstärkten Konturlinien am Kinn, Flügel der Frau, und am linken Rand des separaten Flügels. Diese Akzentuierungen fanden im Anschluss an die Zeichnungserstellung statt. Hat Dürer hier Zeichenmittel gemischt?

Die Zusammensetzung des Monogramms AD (Messung 10, 11), das in Eisengallustinte ausgeführt ist (bestätigt durch Transparenz in IRR-Aufnahme), hat keine Bezüge zum Rest der Zeichnung.

Die Messung 7 kann wegen zu wenig Massenbelegung nicht ausgewertet werden.

Die Einzelmessung (dot 1) ist eine verworfene Angabe am Gesäß in Bleigriffel ausgeführt.

Die Einzelmessungen (dots 2-5) gehören zur "Quadrierung" (einem aus Tintenpunkten und Ritzungen bestehenden Rastersystem, das Dürer zu Proportionszwecken auftrug) und weisen auf die Verwendung einer separaten Eisengallustinte hin, die nicht in der Zeichnung auftaucht.


Da die Tinte zum Teil in die blind geritzten Linien des Rasters gelaufen ist, war es Grundlage für die Zeichnung. Es wurde also erst das Raster, dann die Zeichnung aufgebracht.



Conclusion

In this work, microXRF measurements provided evidence of both iron gall inks and carbon inks. Because many of the strokes were overlaid with others, it was not possible to carry out a separate analysis for both media.

In the IRR photographs taken by the British Museum, all of the different elements remain visible, indicating that the complete drawing was composed using carbon inks. This was verified by measurements 2, 4, 5, 6, 8 and 9.

Measurements 1, 3, 12, 13 and 14, on the other hand, indicate the additional use of iron gall inks. These strokes were applied separately to enhance the contour lines of the chin, the woman’s wings and the separate wing on the left-hand border in an identical ink. This accentuation occurred after the conceptual drawing had been completed. Did Dürer not only use different drawing materials on top of one another or in conjunction, but even perhaps mix them?

The composition of the monogram ‘AD’ (Measurements 10, 11), which was inscribed in iron gall ink (proven by its transparency in IRR imaging) has no relation to the rest of the drawing.

Due to the thinness of the applied ink, measurement 7 could not be evaluated. The single measurement (dot 1) is a rejected inscription on the figure’s buttocks. It was drawn with a lead pencil.

The individual measurements (dots 2-5) are from “squaring” (a grid system made up of dots and scratched lines that Dürer used to estimate proportions), and indicate the use of a separate iron gall ink that is not detectable anywhere else in the work.


Because the drawing’s ink seeped in places into this grid’s scratched lines, it must have functioned as a basic plan for the drawing. The grid was therefore made first with the drawing following.



Anmerkungen


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