Hl. Familie, Erlangen, Bock 155 recto

Aus Dürer Tintenanalyse
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Infobox
Erlangen UB Heilige Familie Zeichnung recto.jpg
Sujet: Hl. Familie (recto) / Selbstbildnis (verso)
Sammlung, Inv.Nr.: Erlangen, UB, Bock 155
Datierung (Forschungsstand): um 1491
Verso: Selbstbildnis
Beischriften, Monogramm, Datierung: (siehe verso)
Wasserzeichen: konnte nicht geklärt werden
Technik (Forschungsstand): Tinte
Bemerkungen:  ?
Standardliteratur: Winkler 25; Strauss 1491/8; Schoch 2008, S. 112-115, Nr. 38; AK Nürnberg 2012, Nr. 4

Inhaltsverzeichnis

Zur Zeichnung

  • Die eng an Martin Schongauers Stil orientierte Zeichnung einer Hl. Familie galt seit dem 16. Jahrhundert für lange Zeit als ein Werk des in Colmar ansässigen Meisters, worauf die nachträgliche Aufschrift des verso verweist. Ebenso, wie der Colmarer Künstler das Sujet in seinem Spätwerk (Täfelchen in München und Wien) behandelte, fertigte Dürer davon mehrere Zeichnungen (W. 24, 30) in seinem Frühwerk an. Dabei sind die Lebendigkeit des Christuskindes, Mariens Zuneigung und Josephs charaktervolle Mimik und Gestik herausragend.
  • Dennoch handelt es sich beim vorliegenden recto um ein eher „standardisiertes“ Bildmotiv, wohingegen das verso eine der drei frühen Selbstbildniszeichnungen Dürers (W. 1, W. 27) aufweist. In distanzloser Positionierung blickt Dürer eindringlich aus dem Blatt heraus; unmittelbar und spontan ist auch der Federduktus.
  • Die Diskussion um die Datierung beider Sujets und eine spätere Entstehungszeit des Selbstporträts durchzieht die Forschung. Rainer Schoch konstatiert z.B. 2008: „Beide Rollen, die des begierig lernenden und die des kritisch sich selbst befragenden jungen Künstlers, kennzeichnen die Situation Dürers während seiner Wanderjahre 1490-94, bilden zwei Seiten derselben Medaille. Vorstellbar, dass das Selbstbildnis als unmittelbare Reaktion auf die mühselige Kleinarbeit der Vorderseite entstanden ist.“

Kunsthistorische Fragen an Tinte und Papier

  • Wurden im Zuge von Korrekturen oder im Sinne von Akzentuierungen verschiedene Tinten verwendet?
  • Sind die Tinte von recto und verso identisch?


Fazit

Die Messungen haben ergeben, dass die Zusammensetzung der Eisengallustinte(n) innerhalb der "Heiligen Familie" nicht einheitlich ist. Die Unterschiede deuten auf die Verwendung mehrerer Tinten hin (Messpunkte 1-4, enthalten zusätzlich Blei). Hingegen wurde das rückseitige Selbstbildnis mit nur einer Tinte ausgeführt (Messung 7, 8, 9). Diese Tinte ist eindeutig auch auf der Vorderseite nachweisbar (Messung 5, 6).

Der Befund erhärtet die These, dass Dürer zunächst die vorderseitige "Heilige Familie" und unmittelbar anschließend das rückseitige Selbstbildnis zeichnete.

Die Beischrift "Martin Schön Conterfait" auf der Rückseite weist - erwartungsgemäß, da im Schriftbild wesentlich jünger - eine andere Zusammensetzung als die Zeichnungstinte der Verso-Seite auf. Sie stimmt trotz der vermeintlichen Deckungsgleichheit in der ternären [[1]] Darstellung nicht mit der Recto-Tinte (Messung 1) überein, da sie kein Blei enthält (Bleigehalt im Diagramm nicht berücksichtigt).



Conclusion

The examinations revealed that the composition of the iron gall ink(s) used in “The Holy Family” is not homogeneous. The measured differences indicate the use of several inks (Measurements 1-4 contain lead in addition to other substances). On the reverse side of the page, the self-portrait was composed with just one kind of ink (Measurements 7, 8, 9). This ink was also definitely used in “The Holy Family” (Measurements 5, 6).

The results provide substance to the theory that Dürer first composed “The Holy Family” on the front of the page, and immediately afterwards composed the self-portrait on the back of the page.

The inscription "Martin Schön Conterfait" as expected reveals a different composition than the ink used in the drawing on the verso side.





Anmerkungen


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